Kreativität – Wie dein Denken Kopf steht und für neue Ideen sorgt

Kreativität ist das ganz große Ding. Jeder will sie – und wir brauchen sie heute mehr denn je. Ganz gleich ob in der Kunst, im Job, im Alltag oder in Politik und Wissenschaft, kreative Ideen verändern und gestalten die Welt.

Aber was ist das überhaupt, diese Kreativität? Kannst du sie steigern oder erlernen? Und wie sorgst du für immer neue Ideen – am besten auf Knopfdruck?

Im Folgenden gebe ich dir einen Überblick über diese ominöse Kreativität – und wie du mehr davon in dein Leben bekommst. Mit ein paar handfesten Tipps, die du sofort ausprobieren kannst.

Was ist Kreativität?

Interessanterweise sind sich die Forscher äußerst uneins, wie Kreativität genau abläuft. Denn genaugenommen lässt sie sich bisher nicht objektiv messen. Es gibt zwar Tests, aber deren Aussagekraft ist begrenzt. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema begann übrigens erst in den 50er-Jahren: Der Psychologe Joy Paul Guilford gilt als Begründer der Kreativitätsforschung. Denn er untersuchte kreatives Denken und entwickelte erste Tests zur Messung.

Vorher hielt man kreative Ideen und die Schöpferkraft für Geistesblitze oder Musenküsse. Guilford legte zwar den Grundstein. Aber weitreichendere wissenschaftliche Bemühungen, dem Rätsel auf die Spur zu kommen verdanken wir letztlich der Raumfahrt – genauer genommen dem Wettrennen der USA und der UdSSR in den 50er und 60er Jahren.

Denn als die Russen die ersten Menschen ins All brachten, dämmerte es den Amerikanern, dass sie es nur mit kreativen Ideen und neuen Einfällen schaffen würden, das Wettrennen zum Mond noch zu gewinnen. Brillante Querdenker mussten her. Um diese zu fördern, begann endlich eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Kreativität und Guilfords Forschungsergebnissen.

Aber wenn wir von Kreativität sprechen, was meinen wir denn überhaupt damit? Eigentlich sind alle Menschen von Haus aus kreativ. Alleine der Laptop, auf dem ich das hier tippe wurde irgendwann von jemanden erdacht. Wahrscheinlich als verrückter Gedanke, der sich irgendwann verfestigte und schließlich tatsächlich als der erste Computer in die Welt kam – zunächst als riesiges Monstrum, das so groß wie ein Gartenhäuschen war.

Groß oder klein? Im Moment ganz egal

Du bist schon kreativ, wenn du zum Beispiel etwas Neues kochst oder immer wieder neu dekorierst: Aber auch wenn du eine neue Geschäftsidee hast und sie in die Tat umsetzt. Oder im Job oder der Familie. Kreativität zeigt sich natürlich auch künstlerisch: Als Roman, Gemälde oder selbstgeschriebener Song.

Sie kann manchmal aber auch Ursprung für eine bahnbrechende Innovation zur alternativen Energiegewinnung sein. Wichtig ist, dass das Endergebnis etwas Neues ist, dass dir so noch nie untergekommen ist.

Die Forschung unterscheidet heute zwischen Alltagskreativität und großer Kreativität, die Nützliches für die Welt hervorbringt oder außergewöhnliche Kunst erschafft. Aber das ist ja meist erst im Rückblick ersichtlich.

Und diese Einteilung mag für die Forschung praktisch sein – aber im Schaffensprozess ist es wohl eher hinderlich, wenn du dich fragst, ob du gerade mit großer der kleiner Kreativität am Werk bist. Die grundsätzlichen Mechanismen sind ohnehin dieselben.

Allen echt kreativen Dingen ist nämlich gemeinsam, dass du nicht bloß Wissen abrufst, sondern quer denkst, neue Verknüpfungen erschaffst und durch vorher ungeahnte Kombinationen Neues in die Welt bringst.

Okay, beim Kochen scheint das nicht sonderlich weltbewegend. Aber so entstehen auch bedeutende Erfindung oder großartige Kunstwerke.

Was passiert im Gehirn?

Aber wie geht das denn nun? Wie schaffst du es also, dass du querdenken kannst? Ganz platt gesagt, indem du ein ausgeprägtes neuronales Netz hast. Kreative Ideen liegen nämlich außerhalb der üblichen Denkmuster.

Aber damit das klappt, musst du erst einmal neuronale Verbindungen im Gehirn erzeugen: durch Wissen und Lernen zum Beispiel.

J.P. Guilford prägte den Begriff des divergenten Denkens: Es bedeutet sozusagen um die Ecke zu denken, alles zu hinterfragen und von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten. Darin unterscheidet es sich vom logischen, dem konvergenten Denken, das Wissen abruft und logische Schlussfolgerungen anstellt. Divergentes Denkens folgt nicht den üblichen Denkbahnen, sondern bewegt sich außerhalb davon.

Dabei stellst du deine eigene Wahrnehmung in Frage, probierst Neues aus und denkst sozusagen außerhalb des Üblichen. Je mehr neuronale Verbindungen du hast, desto besser kann dein Denken dazwischen hin- und herspringen. Wissen gehört also unbedingt dazu.

Ein weitere Begriff dafür ist laterales Denken, den der amerikanische Psychologe Edward de Bono geprägt hat. Aber im kreativen Prozess ist auch das logische Denken wichtig. Denn erst im Wechselspiel zwischen konvergentem und divergentem Denken lassen sich kreative Ideen einordnen und schließlich umsetzen.

Kreativität in unserer Gesellschaft: Nicht die ganz große Liebe

Doch das divergente Denken entspricht nicht unbedingt der gesellschaftlichen Norm. Denn kreative Denker haben es in unserer Welt nicht leicht. Klar, Firmen, Politiker und alle anderen lechzen auf den ersten Blick nach Kreativität: Aber damit sind oft bloß lukrative Ideen gemeint. Echte Kreativität gilt als gefährlich und unerwünscht.

Vera F. Birkenbihl, die großartige Managementtrainerin drückte es in etwa so aus: Die meisten meisten Menschen werden zur Norm erzogen. Das bedeutet, dass wilde und neue Gedanken wegerzogen werden. Rational und logisch gilt als das Nonplusultra.

Denn die Gesellschaft hat Angst vor zuviel Kreativität, da sie schlichtweg unprognostizierbar ist. Sie ist chaotisch und gilt als unfein. Dabei werden wir alle mit einem kreativen Potential geboren, dass wir meist nur als Kinder ausleben.

Wenn wir dieses Potential im Laufe unseres Erwachsenwerdens entwickeln würden, wären wir erfüllte, kreative Menschen – und hätten vielleicht eine entspanntere Welt. Leider gelten in unserer Gesellschaft aber andere Maßstäbe – nämlich angepasst, brav und durch und durch rational.

Das trifft natürlich nicht auf alle zu. Denn es gibt trotz aller Rationalität eine Menge Kreativer da draußen. Aber sie werden in Firmen, Schulen, Politik und Wissenschaft an den Rand gedrängt, da sie die normalen, verwaltenden Aufgaben stören.

Meist fallen sie irgendwann einfach raus. Manche schaffen es und werden zu Ikonen erhoben – und bleiben nachhaltig im Gedächtnis. Sie werden als Stellvertreter für etwas verehrt, von dem jeder Mensch irgendwie ahnt, dass es ein Teil von ihm ist – das er ab in unsere genormten und geradlinigen Welt nicht ausleben darf.

Das ist dramatisch, denn wir brauchen kreative Ideen heute dringender denn je. Und wenn du selbst kreativ bist, weißt du, wie mühsam die Durchsetzung neuer Ideen im Alltag sein kann.

Wie du Kreativität trotz allem in dein Leben einlädst

Klingt übel? Ja, aber du kannst trotz allem kreativ sein. Denn dafür musst du nicht geniale oder großartige Kunst machen. Du kannst dein kreatives Potential in jedem Bereich des Lebens einsetzen: im Job, in der Kunst, in der Selbstständigkeit oder in der Freizeit. Kreativität bedeutet dabei immer Chaos, Unerwartetes und Überraschendes.

Sie erfordert Mut – vor allem da die Bedenkenträger meist nicht lange auf sich warten lassen und du oft gehörigen Gegenwind abbekommst. Wenn du dir aber die Freiheit gibst, kreativ zu sein, ändert sich etwas in deinem Leben. Plötzlich erscheint vieles möglich und du siehst Lösungen, die vorher verborgen waren.

Deshalb ist es wichtig, für die Freiheit der wilden und neuen Gedanken zu kämpfen. Denn das alte Wissen und die Wiederholung des immer Gleichen wird uns keine schöne und lebenswerte Zukunft schenken – weder im kleinen noch im globalen.

Welche Voraussetzungen sorgen für neue Ideen?

Untersuchungen legen nahe, dass folgende Voraussetzungen kreative Ideen begünstigen:

  • Neugier, und Wissen. Lerne und experimentiere. Je mehr du weißt und erfährst, desto mehr neuronale Verbindungen besitzt du.
  • Bereitschaft eigenes Denken und Wissen in Frage zu stellen. Zeige Mut zum Risiko und halte nicht um jeden Preis an alten Überzeugungen fest.
  • Bildliche Vorstellungskraft. Sie ist eine wichtige Grundvoraussetzung für kreative Gedanken.
  • Körper und Geist in Harmonie. Sorge für Bewegung, Entspannung, gute Ernährung und frische Luft.
  • Auch das Ungewisse einladen. Bewege dich auch mal außerhalb deiner Komfortzone.
  • Alles gehört zusammen. Wenn du die Verbindung zwischen allen Dingen erkennst, findet du plötzlich auch neue Kombinationen.
  • Zeit für die Beschäftigung mit der Kreativität. Gib dir genügend Zeit und Freiraum für deine kreativen Tätigkeiten.
  • Innerer Antrieb und Leidenschaft. Echte Kreativität entsteht durch ein inneres Bedürfnis und bedarf keiner Bestätigung von außen.
  • Meisterschaft. Was auch immer du tust, tue es so gut wie du kannst – und dann noch ein bisschen besser.

Genies – Sind manche Menschen kreativer als andere?

Alle Menschen sind kreativ, das gehört sozusagen zu unserer Grundausrüstung. Allerdings gibt es Unterschiede. Manche Menschen sind wahre Genies im logischen Denken, besitzen aber wenig bildliche Vorstellungskraft.

Andere sind dafür hochkreativ und haben ständig neue Ideen. Ob es geborene kreative Genies gibt? Keine Ahnung. Besonders kreative Persönlichkeiten zeichnen sich jedoch durch einige besondere Merkmale aus. Untersuchungen zufolge sind sie:

  • offener
  • neugieriger
  • impulsiver
  • rebellischer

Ob die Fähigkeit zu besonders divergentem Denken angeboren ist – oder ein bestimmtes Umfeld oder bestimmte Lebensumstände dazu beitragen ist unklar.

Wahrscheinlich sind für Kinder ein abwechslungsreiches Umfeld und die Möglichkeit verschiedene Dinge auszuprobieren wichtig, um eine kreative Persönlichkeit zu entwickeln. Und auch die Intelligenz spielt eine gewisse Rolle. Denn damit das Denken um die Ecke funktioniert, müssen auch genügend Ecken – also Informationen im Gehirn – vorhanden sein.

Da das Gehirn immer weiter lernt und sich trainieren lässt, kannst du deiner Kreativität aber auch im Erwachsenenalter noch auf die Sprünge helfen. Im Folgenden gebe ich dir ein paar Tipps, von denen einige auch wieder von Vera F. Birkenbihl stammen.

Training für deine Kreativität

  • Trainiere deine Assoziation: Spiele zum Beispiel Stadt, Land, Fluss. Wenn du nach einem Baum mit B suchst, stärkst du deine linke Hirnhälfte.
  • Übe analoges Denken: Das bedeutet, in Metaphern und Gleichnisse zu denken. Das tust du, indem du nicht bloß sagst, dass du gerade gestresst bist. Nein, du bist wie ein Bogen: gespannt und unter hohem Druck. Mit solch bildhaftem Denken trainierst du deine rechte Hirnhälfte.
  • Wenn du kreativ sein möchtest, hilft es oft, einfach anzufangen. Am besten hast du auch immer etwas zum notieren dabei. Sei neugierig und schaue dir die Umgebung an. Lege das Smartphone so oft wie möglich aus der Hand und beobachte die Welt um dich herum. Gehe mit offenen Augen durch deinen Alltag. Denn damit Ideen entstehen und du etwas Neues erschaffen kannst, müssen erst einmal Informationen in dich hinein. Wenn du immer auf den Bildschirm starrst, verpasst du unendlich viel Inspiration da draußen.
  • Stelle Gedankenspiele an. Betrachte zum Beispiel einen Baum. Was würde dich daran interessieren, wenn du ein Clown wärst? Oder eine Künstler*in, eine Architekt*in und so weiter. All diese Spielereien trainieren deinen kreativen Muskel.
  • Beim kreativen Schaffen bist du meist im sogenannten Flow: Um in diesen Zustand zu kommen, mache einfach mal und denke nicht groß darüber nach. Beurteile es während des Schaffens nicht.
  • Nach einer Weile distanzierst du dich von dem Erschaffenen. Tritt zurück und schaue es dir an.
  • Denn der kreative Prozess besteht im Prinzip aus diesem Wechselspiel zwischen Flowzustand und einer distanzierten Betrachtung und Bewertung dessen, was wir gemacht haben.
  • In den Flow gelangst du am besten, wenn du entspannt bist. Ob du meditierst, joggst oder Yoga machst ist dabei vollkommen egal.

Erinnere dich daran, wie du gemeint bist

Kreative Ideen lassen sich nicht erzwingen. Und Kreativität ist auch keine Garantie für gute Ideen, die hundertprozentig funktionieren. Manchmal landest du vielleicht auch in einer Sackgasse. In erster Linie bedeutet es etwas Neues zu wagen, Neues zu erschaffen oder neue Lösungswege zu gehen.

Allzu oft denken vor allem Unternehmen, Kreativität sei auf Knopfdruck zu haben – eine Saftbar, ein Kicker und Sitzsäcke zum Rumlungern werden es schon richten. Aber so einfach ist es nicht. Zumal, wenn Druck von außen kommt – dann stimmt es nämlich meist mit der inneren Motivation nicht mehr.

Kreativität ist eben chaotisch und lässt sich nichts sagen. Rebellion und ein eigener Kopf gehören ebenso dazu wie Misserfolge und ganz blöde Ideen.

Zum Schluss möchte ich dir noch einen Gedanken von Matthias Varga von Kibéd mit auf den Weg geben, den ich in einer Sendung über Kreativität gesehen habe.

Er sagt, wenn wir kreativ sind, erinnern wir uns daran, wer wir eigentlich sind. Nicht dass wir gerade gestresst sind, in Teilzeit arbeiten oder samstags backen. Sondern welches Potential und welche Möglichkeiten wir haben. Es geht um das, was in uns schlummert.

Menschen, die uns daran erinnern, wie wir eigentlich gemeint sind, fördern deshalb unsere Kreativität. Durch Kreativität kommen wir uns selbst näher. Es lohnt sich deshalb, sich mit den richtigen Leuten zu umgeben – und selbst auch ein Mensch zu sein, der die Kreativität in anderen anregt.

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